Hausgeschichte

Unter der Kirche 9 -  Ein Haus ohne Geschichte ... ?

Nein ganz sicher nicht. - Vom Wohnhaus zum Mehrgenerationen-Treff

Zugegeben, es gibt durchaus geschichtsträchtigere Bauten und Häuser in unserer schönen Leinestadt. wie z. B. die Alte Lateinschule, das Planetenhaus, St Elisabeth, die Bürgerschänke usw. um nur ein paar dieser Bauten zu nennen.
Es gibt aber auch Häuser in Alfeld, die etwas in sich haben, was heute nur noch die älteren Einwohner der Stadt wissen.
Dazu ein Text eines unbekannten Verfassers, der im Eingangsbereich der Kleinen Kneipe hängt:
„Im Rücken der Kleinen Kneipe waren im Mittelalter die Badehäuser, die in der Kleinen Kneipe endeten. Die Bürgerschänke war früher das Gesindehaus, das Museum ist das älteste und schönste freistehende Fachwerkhaus Niedersachsen. Badehäuser, Museum und Kirche sind unterirdisch miteinander verbunden, die über die alte Mühle, den Warnegang bis zur Leine, ihr Ende finden (Fluchtweg im Mittelalter). Teilweise noch ganz gut erhalten, aber wegen Einsturzgefahr gesperrt (in der Kirche noch zu sehen)"
Diese Badestuben in den Gewölbekellern der Häuser haben sich bis heute erhalten und werden demnächst auch wieder zu besichtigen sein.
Der besagte unterirdische Gang ist grundsätzlich nicht auszuschließen, es fehlen aber bis heute hieb- und stichfeste Beweise über deren oben beschriebene komplette Existenz.
Viele Eigentümer hatte das Haus "Unter der Kirche 9" im Laufe der vergangenen Jahrzehnte.
So führt als älteste uns bekannte Aufzeichnung, das Adressbuch der Stadt Alfeld (Leine) aus dem Jahr 1925, die Witwe Johanne Grüne, geb. Siegmann als Eigentümerin des Hauses. Das sollte Sie bzw. Ihre Nachfahren auch bis in die 1960er Jahre bleiben.
Im Adressbuch der Stadt aus dem Jahr 1938 heißt die Straße "Unter der Kirche" nicht mehr so wie seit von Beginn an hieß. Sie wurde, wie vielerorts damals in Deutschland umbenannt in "Horst-Wessel-Straße"
1951 wird in diesem Haus erstmals der Geschäftsbetrieb von Margot und Hugo Blos Feld erwähnt, die Feinkost, Lebensmittel & Textilien. So die Überlieferung. Erstmals tauchen anderen Namen neben den Hauseigentümern "Grüne" im Haus "Unter der Kirche" auf, die ersten Mieter.
Die Jahre von 1958 bis 1985 sind unsererseits momentan nicht nachvollziehbar.
In den 1980er Jahren des vergangenen Jahrhunderts taucht erstmals die "Kleine Kneipe" in der Geschichte der Stadt auf. In diesem Zusammenhang dürfte der Name Wolfgang Holz noch für viele "Kneipengänger ein Begriff sein.
Die Kleine Kneipe war zu diesem Zeitpunkt im wahrsten Sinne des Wortes tatsächlich eine kleine Kneipe, denn der heutige, Kirchhofseitige Raum gehörte noch nicht zur Gaststätte.
In diesem separaten Raum war das Versicherungsbüro von Werner Musiol untergebracht.
Erst der neue Besitzer des Hauses, Horst Drücker, hat in den späten 1980er Jahren den Büroraum zur Kneipe mit dazu genommen. Die Wand zwischen beiden Räumlichkeiten wurde entfernt und somit entstand die Kleine Kneipe in ihrer vollen Größe".
Die Kleine Kneipe war von da an immer die Kleine Kneipe, obgleich die Betreiber er Gaststätte von den 1980er bis in die 2000er Jahre des Öfteren wechselten. Auch die Mieter im Haus "Unter der Kirche" wechselten häufiger.
Nachdem der letzte "richtige" Kneipenbetreiber den Betrieb einstellte waren als kurze Spanne in der Zeitgeschichte ein sog. Internetcafe und eine kirchliche Begegnungseinrichtung in den wirtschaftshistorischen Räumen untergebracht, ehe dann 2008 das Projekt "Mehrgenerationen-Treff“ in die Kleine Kneipe einzog. Was ursprünglich als zeitlich begrenztes Projekt begann, hat sich mittlerweile in Alfeld als Treffpunkt für alle Altersgruppen etabliert.
Seit dieser Zeit hat das Haus schon sehr viele Stammgäste bekommen, die regelmäßig zum Spielen, Lesen oder einfach nur klönen kommen. Die Kleine Kneipe hat sich durch das Engagement Vieler wieder zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt.