Der Kater war‘s und nicht der große Unbekannte

Mit der Tür ins Haus fallen, wem ist es nicht schon mal auf die eine oder andere Weise passiert? Meist löst es Schreck aus, wenn man sich beispielsweise im Ton vergriffen, oder oft genug auch Schmerz, wenn man sich verletzt hat.
Letzteres war mir geschehen, als ich nur eben über die Straße zu meinem Arbeitsplatz wollte, um etwas Vergessenes zu holen. „Eben schnell“ würde es gehen. Also verließ ich nur kurz meinen schon begonnenen gemütlichen, Feierabendplatz, entschuldigte mich ernsthaft bei meinem Kater Kumpel, der sich schon auf meinem Schoß gelümmelt hatte. Solche frühen Unterbrechungen mochte der gar nicht. „Ich lasse dir das Fernsehen an“, tröstete ich ihn und eilte hinweg.
Humpelnd, nach einem kleinen, aber schmerzhaften Stolpern, kam ich wieder zurück und traf auf Dr. S. vor meiner Haustür, die er gerade mit meinem, bei ihm für Notfälle hinterlegten Schlüssel öffnen wollte. Verwirrt schauten wir uns an, bis der Arzt besorgt nach meinem Befinden fragte und ich fröhlich antwortete: „Gut, Herr Doktor, gerade noch mal gut gegangen. Wieso fragen Sie?“ (Immerhin hatte ich soeben großes Glück gehabt bei meinem Sturz.) „Warum haben Sie dann aber den Notruf ausgelöst?“ „Hab ich nicht, war doch gar nicht zu Hause!“ Ein mysteriöser Fall. Wir trennten uns erleichtert, ich besonders dem Doktor und der Notrufzentrale für ihren schnellen Einsatz dankend.

Dann wollten wir endlich unseren gemeinsamen Abend genießen, der Kumpel und ich. Dazu wählte ich das von uns beiden gern gesehene Zoo-Programm. Jedoch dem Kater genügte manchmal die Sicht von meinem Schoß aus nicht, und zu meinem Amüsement stand er hin und wieder auf den Hinterbeinchen mit aufgestützten Vorderpfötchen am Fernsehregal und verfolgte interessiert das Geschehen hinter der Scheibe, verfolgte auch die Bewegungen ganz aufgeregt nach rechts und links oder nach oben. Mit weit zurückgelegtem Katzenköpfchen war das natürlich immer ein bedrohlicher Balanceakt. Doch es lief meist alles gut. Allerdings geschah es auch schon mal, daß er abrutschte und von der Kommode wieder auf allen Vieren landete.
Heute nun konnte ich (mit kriminalistischen Scharfsinn) nachvollziehen, wie Kater Kumpel wahrscheinlich wieder einmal abgerutscht war und dabei den Notrufknopf auf der Sendestation, die im Fach darunter stand, versehentlich berührt hatte...
Das Rätsel war gelöst:
Der Kater war’s und nicht Irgendwer oder Irgendwas!
Brunhilde Heinrich,
im September 2015